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Grüner Antrieb aus Warschau: Skalierbare Antriebs- und De-Orbit-Lösungen von Łukasiewicz-ILOT

Das Łukasiewicz Research Network – Institute of Aviation (ILOT) in Warschau treibt die Entwicklung von Antriebstechnologien voran, die ökologische, betriebliche und sicherheitsrelevante Vorteile vereinen. Der aktuelle Schwerpunkt liegt unter anderem auf hochkonzentriertem Wasserstoffperoxid (HTP) als Oxidator bzw. Monopropellant, modularen Satellitenantriebseinheiten sowie regelbaren Flüssigkeitstriebwerken für präzise Manöver und potenziell wiederverwendbare Stufen. Im Rahmen eines Interviews auf der Space Tech Expo Europe wurden der Entwicklungsstand, die Auslegungskriterien und die geplanten Einsatzbereiche erläutert.

Space Tech Expo Europe Special – Interview mit Kamil Sobczak (Łukasiewicz Research Network – Institute of Aviation, ILOT)

“We focus not only on thrusters but on full propulsion modules for space platforms, including green propellants and de‑orbitation systems.”

Wer ist Łukasiewicz-ILOT?

ILOT ist Teil des polnischen Łukasiewicz-Netzwerks. Im Bereich der Raumfahrt arbeitet das Institut an Antriebssystemen, der additiven Fertigung von Triebwerkskomponenten, Elektronik und Avionik sowie an Lösungen für das Ende der Nutzungsdauer (End-of-Life-Lösungen). Suborbitale Missionen dienen dabei als Testumgebung für Hardware und Integration.

Fokus: Grüner Antrieb mit HTP

Hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid gilt als vielversprechende Alternative zu Systemen auf Hydrazinbasis. ILOT entwickelt Antriebssysteme und Module, die HTP entweder als Oxidator (in Zweikomponentensystemen) oder als Monopropellant nutzen. Die Ziele: Vereinfachung der Missionsarchitekturen, Erhöhung der Sicherheit bei der Bodenhandhabung und Stärkung der europäischen Lieferkette.

Technischer Kontext in Kürze:

  • HTP-basierte AOCS-/Positionsstabilisierungstriebwerke und skalierbare Module für LEO-Missionen.
  • Zweikomponenten-Treibstoffansätze (HTP plus lagerfähiger Treibstoff) für höhere Leistung.
  • Qualifizierung nach Standardtestverfahren; Einsatz additiver Fertigung zur Integration komplexer Kühlkanäle und Geometrien in flüssigkeitsgekühlte Brennkammern.

Antriebsmodule für Kleinsatelliten

ILOT folgt einer modularen Systemlogik: Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Triebwerke, sondern komplette Antriebssubsysteme – einschließlich Tank, Ventilen, Steuerung und Elektronik. Für kleine Plattformen sind kompakte Einheiten vorgesehen; im Interview wird ein sehr leichtes Modul (ca. 2–3 kg) für Demonstrationen des Formationsflugs erwähnt, das sich derzeit in der Entwicklung befindet. Für größere Klassen werden Module für Plattformen bis zu etwa 200 kg diskutiert. Dies eröffnet Möglichkeiten für die Bahnanhebung, Kollisionsvermeidung und präzise Positionsregelung und reduziert gleichzeitig den Integrationsaufwand für die Satelliten-Hauptauftragnehmer.

Demonstrator für ein regelbares Flüssigkeitsraketentriebwerk

Neben Lösungen auf Basis von Monopropellanten arbeitet ILOT an einem regelbaren Flüssigkeitstriebwerks-Demonstrator, der HTP und Ethanol nutzt. Das Interview deutet auf einen Schubregelbereich von etwa 10 % bis 110 % hin, der auf präzise Bahnmanöver, ein sanftes Absinken von Stufen sowie potenzielle Szenarien zur Wiederverwendbarkeit ausgelegt ist. Additiv gefertigte, flüssigkeitsgekühlte Brennkammern und optimierte Einspritzsysteme bilden dabei wesentliche Kernkomponenten.

Elektronik und Bordcomputer

Das Institut entwickelt Bordcomputer und Avionik parallel und nutzt suborbitale Kampagnen zur Validierung. Die Kombination aus hauseigener Elektronik und Antriebssubsystemen ermöglicht einen kompakten, für die Qualifizierung geeigneten Baukastenansatz – von der Telemetrie bis zur Triebwerkssteuerung.

Lebensende: De-Orbit-Systeme

Für das Ende der Mission (EOL) setzt ILOT auf einen Feststoff-De-Orbit-Motor zur kontrollierten Entsorgung. Das Design ist auf eine lange Lagerung im Orbit sowie auf robuste Aktivierungsszenarien ausgelegt und entspricht damit den modernen Richtlinien zur Vermeidung von Weltraumschrott.

Meilenstein der Suborbitalflüge

Das Team verweist darauf, dass die ILR-33 „Bursztyn 2K“ im Jahr 2024 von Andøya (Norwegen) aus den Weltraum erreichen soll. Der Flug dient als Erprobungsplattform für Antriebs-, Elektronik- und Integrationsverfahren und ebnet den Weg für weitere Demonstrationsmissionen – möglicherweise mit kommerziellen Nutzlasten.

Warum das für Betreiber wichtig ist

Bei Plattformen für Kleinsatelliten, In-Orbit-Dienstleistungen oder Technologiedemonstratoren stechen drei praktische Anknüpfungspunkte hervor:

  1. Vereinfachte Integration: Vorkonfigurierte Antriebsmodule reduzieren den Entwicklungs- und Integrationsaufwand.
  2. Sichererer Betrieb: HTP-basierte Lösungen können die Handhabung und den Betrieb erleichtern.
  3. Erweiterte Einsatzbereiche: Regelbare Flüssigkeitstriebwerke ermöglichen präzise abgestimmte Manöver und neue Missionsgeometrien.

ILOT verfolgt weiterhin zwei Ansätze: miniaturisierte Module für sehr kleine Plattformen und skalierbare Systeme für größere LEO-Satelliten – unterstützt durch additive Fertigung, Qualifikationstests und suborbitale Demonstrationen. Eine zentrale Frage für Systemintegratoren ist, wie sich die Kombination aus HTP-Modulen, OBC und De-Orbit-Optionen in standardisierte Satellitenbusse überführen lässt.


Wir freuen uns darauf, diese inspirierenden Gespräche auf der Space Tech Expo Europe 2025 fortzusetzen und weitere Einblicke in die Zukunft vernetzter Weltraumtechnologien zu gewinnen.

Hinweis für Besucher: Unser Team ist gemeinsam mit unseren Partnern 3D PLUS, Omnetics und Exxelia am Stand F11 vor Ort.

Image credits: MSA Components / Space Tech Expo Europe interview stills

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